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 Shizukas Schlafzimmer

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Shizuka Furukawa
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BeitragThema: Re: Shizukas Schlafzimmer   Mi Jan 04, 2017 8:43 pm

Shizuka war ins Schreiben vertieft. Sie hatte die Mail an den Studenten abgeschickt und war danach in ihren eigenen Ideen versunken. In der letzten Zeit hatte viel Zeit gehabt, um neue Ideen zu sammeln. Mystic Falls war ein wirklich interessanter Ort. Hinzukam die Begegnung mit Subaru Sumeragi. Ihr Vater hatte ihn bereits einmal getroffen und nun hatte auch sie die Ehre gehabt. Sie empfand es wirklich als Ehre. Seine Traurigkeit, diese gebrochene Seele, die keiner auf der Welt wieder heilen konnte. Sein Schmerz hatte sie in ihrem Inneren berührt. Es gab so Vieles, das in ihrem Kopf herumschwirrte, und das sie aufschreiben musste. Das Schreiben war ein Ventil, um ihre Gedanken zu sortieren.

Leise erklang ‚Tears’ aus den Lautsprechern ihres Laptops. Sie mochte das Lied, auch wenn die Traurigkeit in ihm sie jedes Mal berührte. Shizuka zuckte zusammen, als eine E-Mail eintrudelte. Einen Moment überlegte sie, ob sie sie lesen sollte oder einfach weiterschreiben, aber am Ende siegte doch ihr Pflichtgefühl. Sie öffnete die Mail und war erstaunt, erneut von dem Studenten zu lesen.

Der kulturelle Aspekt ihres Buches waren für ihn von Interesse. Nun, das war gar nicht so leicht zu beantworten. Noch immer verstand sie nicht, wie man aus ‚Der Kirschblüte sterbender Hauch’ solch einen Titel wie ‚Sorcerer’s Cry ’ machen konnte, aber sie hatte bei den Übersetzungen leider kein Mitspracherecht und er war nicht das erste Mal, dass sie dachte, die englischen Buchtitel waren plakativ.


Sehr geehrter Mr. Carrington,
um Japan wirklich verstehen zu wollen, seine Kultur, seine Geschichte, dann muss man vermutlich selbst in diesem Land geboren werden. Japan steckt in mir, ebenso wie in Ihnen das Land, in dem Sie geboren wurden, deswegen werden meine Romane von der japanischen Seele beeinflusst. Hatten Sie schon einmal ein Katana in der Hand, Mr. Carrington? Die Seele eines Katanas verkörpert die Seele Japans und wenn man es in der Hand hält, spricht die Klinge zu einem. Ich war vierzehn, als ich meinen ersten Roman schrieb, und war zu diesem Zeitpunkt erst in einem anderen Land außer Japan gewesen.



Tatsächlich erschien ihr erstes Buch, als sie sechzehn war, zwei Jahre, nachdem sie es geschrieben hatte. Weder ihr Alter noch ihr Name waren in der Öffentlichkeit ihrer Bücher bekannt. Nathaniel Carrington konnte nicht wissen, dass zwischen Schreiben und Veröffentlichen nur zwei Jahre lagen und sie auch jetzt fast drei Jahre später erst das zweite Land außerhalb Japans kennenlernte.


Als Autorin hat man leider wenig Einfluss auf Übersetzungen in anderen Ländern, aber durch Leser erfährt man immer wieder, wie in anderen Sprachen und Ländern mein Buch aufgenommen wird. Auch wenn es traurig ist, so ist die Sprachbarriere durchaus ein Problem. Japanisch ist eine Sprache, die mit Bildern arbeitet. Es ist leider kaum möglich, sie etwa ins Englische so zu übersetzen, ohne dass die Worte einen Teil ihrer Bedeutung verlieren. Bedauerlicher Weise hatte ich etwa bei der Titelübersetzung kein Mitspracherecht. Die Rezeption muss von Lesern, die nur mit der Übersetzung arbeiten können, zwangsläufig anders sein.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen. Sollten Sie noch weitere Fragen haben, scheuen Sie sich nicht, diese zu stellen.

Hochachtungsvoll
Shiori Sora


Shizuka schickte die Mail ab. Einen Moment sah sie noch auf den Bildschirm, ohne etwas zu machen, doch dann schüttelte sie sacht den Kopf und vertiefte sich wieder in ihr neuestes Werk.

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Shizuka Furukawa
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BeitragThema: Re: Shizukas Schlafzimmer   Fr Jan 20, 2017 8:00 pm

Mit verspanntem Nacken schlug Shizuka die Augen auf. Sie war doch tatsächlich über dem Schreiben eingeschlafen! Nun, vielleicht sollte es sie nicht wirklich wundern. Seit sie mit Gabriel unterwegs gewesen war, hatte sie nicht geschlafen. Der Ausflug mit dem Engel war ganz wundervoll gewesen, aber er hatte auch an ihren Kräften gezehrt. Sie mochte Gabriel, seine goldene reine Aura hatte sie berührt, und wenn sie daran zurückdachte, legte sich ein hauchzartes Lächeln auf ihre Lippen. Wenn man wie sie die Aura der Wesen um einen herum sehen konnte, so sah man oft auf die Verderbtheit der Wesen, aber bei ihm hatte sie nichts davon gespürt.

Sie streckte sich und stand auf. Eine Dusche würde helfen, ihre verkrampften Muskeln zu lockern. Sie reinigte ihren Körper und ihr Haar mit einer gewissen Hingabe, der Körper eines Mannes in dem eine Frau gefangen war. Die Natur musste sich etwas dabei gedacht haben, als sie im Körper eines Mannes geboren worden war, obwohl sie das Gesicht und die Seele einer Frau hatte. Noch mochte sie es nicht verstehen, aber es gab sicher einen Grund. In einen weißen Yukatan gekleidet kämmte sie ihr langes Haar, bis es trocken und glänzend wie blauschwarze Seide über ihre Hüfte fiel. Es roch nach Jasmin und Kirschblüten, während von ihrer milchweißen Haut der leichte Duft von Honig ausging.

Die junge Hexe hatte keine Pläne für die folgenden Stunden, weswegen sie ihren Laptop wieder hochfuhr, um an ihrem neuen Manuskript zu schreiben, schaute zuvor jedoch in ihre E-Mails. Tatsächlich fand sich die eine oder andere neue und eine von ihnen war von dem Studenten, der eine Hausarbeit über ihr Erstlingswerk schrieb. Tatsächlich fand sie seien Hausarbeit als Anhang der Mai. Er schien ihr ein höflicher junger Mann zu sein, dem tatsächlich daran gelegen schien, dass sie seine Arbeit absegnete. Shizuka hatten selten die Gelegenheit eine solche zur Gänze Rezeption zu lesen. Sie öffnete das Dokument und begann zu lesen, ließ sich Zeit damit. Er hatte sich wirklich Mühe gegeben, die Ansichten Japans zu beschreiben. Sie musste lächeln, als von der Seele Japans in der Klinge eines Schwerts gesprochen wurde.

Ihre Protagonistin trug nicht nur die Magie in sich, die ihr als Dienerin der Natur zu eigen war, sondern sie trug auch Japan in ihrem Herzen. Die Liebe zu ihrem Land und der Natur an sich war es, die sie gegen die Menschen hatte handeln lassen. Der Kampf und das Ende der Menschheit, der in Japan vor der Jahrtausendwende stattgefunden hatte, war nie nach außen gedrungen. Selbst in Japan wussten wenige davon. Als weiße Hexe würde sie nie allein nur der Natur dienen, sondern auch immer den Menschen, jedoch konnte sie auf eine gewisse Weise verstehen, weswegen die Erddrachen die Menschen auslöschen wollten.

Sehr geehrter Mr. Carrington,
vielen Dank für Ihre aufrichten Worte. Ein solches Lob ist zu viel der Ehre für eine einfache Schriftstellerin wie ich es bin. Wenn ich Ihnen helfen konnte, so habe ich dies gern getan.

Ihre Hausarbeit zu lesen, bereitete mir Freude. Es ehrt mich, wie detailliert sie sich mit meinem Roman auseinandergesetzt haben. Magie ist ein zweischneidiges Schwert. Mir ist bewusst dass man in den USA anders darüber denkt. In Japan ist Magie Teil des alltäglichen Lebens, Geister, Dämonen, die Schattenwelt, geheime Mikos in den Schreinen der Götter, Menschenopfer zum Schutze der Obrigkeit. Das alles ist in Japan Alltag, für einen Menschen in den USA ist es nichts weiter als ein Märchen. Wie viel Magie tatsächlich in Japan steckt, ist vermutlich schwer zu begreifen. Ich fürchte, meine Worte sind zu ungelenk, um wirklich auszudrücken, was ich tatsächlich sagen möchte.

Müsste man Japan mit nur einem Wort beschreiben, so fände man vermutlich viele Worte, aber das Schwert ist es, das am meisten von dem in sich vereint, das Japan ausmacht. Ich schrieb Ihnen, wenn man ein Katana in der Hand hält, spürt man die Seele Japans. Eine Klinge besteht nicht nur aus Stahl. Blut, Schweiß und Magie steckt in ihr. Und Zeit. Der Stahl, aus dem eine Katana-Klinge besteht, wird tausende Male gefaltet, was sie tödlicher macht als jede andere Waffe in den Händen desjenigen, der ihrer würdig ist. Das, was in der Klinge steckt, ist auch in Japan selbst.

Ich entschuldige mich für die vielen Worte, Mr. Carrington. Japans Magie ist so alt wie das Land selbst. Die japanische Kultur ist alt. Die amerikanische Kultur ist jung, so jung, dass sie gar nicht verstehen kann, aber vielleicht können Sie verstehen, Mr. Carrington.

Hochachtungsvoll
Shiori Sora


Es waren viele Worte für die sonst so schweigsame Shizuka Furukawa. Sie konnte nicht erwarten, dass ein junger Amerikaner die Seele ihres Landes verstand. Sie liebte das Flüstern des Windes. Sie war mit der Magie verbunden, die sie umgab und jedes Land hatte einen ganz eigenen Hauch der Magie. Wenn sie keine Hexe wäre, wie würde sie dann die Magie wahrnehmen? Es war nicht das erste Mal, dass sie sich diese Frage stellte.

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Shizuka Furukawa
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BeitragThema: Re: Shizukas Schlafzimmer   Di Jan 24, 2017 8:39 pm

Nachdem Shizuka die Mail abgeschickt hatte, war sie zu ihrem Manuskript zurückgekehrt. Lange arbeitete sie jedoch nicht daran. Ein  Staubfussel fiel ihr ins Auge, und es war Grund genug, die komplette Wohnung, Allisons Zimmer ausgenommen, auch Hochglanz zu bringen zwar hatte sie erst geputzt, als sie aus Disneyland zurückgekommen war, aber offenbar war es nicht gründlich genug gewesen. Als sie jpnger war, hatte ihre Schwester ihre Putzwut immer mal wieder ausgenutzt, indem sie sie ihr Zimmer aufräumen ließ, aber das war schon in Ordnung. Shi liebte ihre Schwester von ganzem Herzen und würde alles für sie tun.

Als alles fertig war und diesmal wirklich kein einziger Fussel überlebt hatte, ging sie in die Küche, um sich etwas zu essen zu machen. Sie sollte wirklich darauf achten, wieder regelmäßiger zu essen. Sie war bereits einmal im Krankenhaus gelandet und diese Erfahrung wollte sie nicht noch einmal machen. Sie war nun unbedingt ein Fan von Krankenhäusern, aber wer war das schon. Während des Kochens begann sie, die englische Übersetzung ihres ersten Romans.

Nachdem ihr Essen fertig war, ging sie mit einer Schüssel Ramen bewaffnet in ihr Zimmer zurück und nistete sie sich wieder vor ihrem Laptop ein. Draußen war dass Wetter ziemlich ungemütlich, weswegen es verlockend war, einfach im Haus zu bleiben. Sie musste nicht zwingend raus. Ihr neues Buch würde es ihr danken, wenn sie ihm ein bisschen Zeit widmete.

Eine E-Mail riss sie aus seinen Gedanken. Es war Nathaniel Carrington. Es berührte sie, dass er sich derart Gedanken um ihre Bücher machte. Er war bescheiden, sofern sie das aus den Mails herauslesen konnte. Wenn er wüsste, dass er mit ‚lediglich ein Literaturstudent‘ mehr erreicht hatte als sie, die bisher nur einen Schulabschluss und die Aufnahmebestätigung für die Universität vorzuweisen hatte. Zugegeben, sie war erst 18 und noch nicht einmal volljährig nach japanischem Recht, hatte aber schon einige Romane veröffentlicht.


Sehr geehrter Mr. Carrington,

man kann einen Autor vermutlich nicht gänzlich gerecht werden, wenn man sein Werk bearbeitet. Autoren sind ein schwieriges Völkchen, so können die meisten Leser eine Stelle gleich interpretieren, der Autor aber etwas völlig anderen meinen. Es geht auch nicht nur darum, was der Autor sagen will, sondern auch darum, was der Leser sehen will in dem Text.

Es ehrt mich und ich freue mich darüber, wenn Sie auch meine anderen Bücher lesen wollen. Noch nicht alle sind auf Englisch erschienen.
Ich bin erst jetzt in einem zweiten Land außerhalb Japans gewesen und muss sagen, ich verstehe es auch nicht wirklich. Man kann über andere Kulturen lesen, sie besuchen, aber deswegen versteht man sie noch lange nicht. Es ist ein Verständnis, das man von Kindesbeinen an erlernt und erfährt. Deswegen können Sie gar nicht verstehen, wie Japaner Magie begreifen. In den USA glaubt man wiederum an Sachen, die für einen Japaner Irrsinn sind. Wenn Sie mal Zeit haben, besuchen Sie Japan. Vielleicht spüren Sie die ganz eigene Magie.

Es tut mir leid, dass ich so unverschämt frage, aber ich wüsste zu gern, wie Sie meine anderen Bücher finden. Man hat selten die Gelegenheit, so direkt mit einem Leser zu reden, und auch noch einem Leser, der nur Zugang zu den Übersetzungen hat. Tatsächlich habe ich mir die die englische Übersetzung genommen und reingelesen. Mir sind bereits auf den ersten Seiten einige Punkte aufgefallen, bei denen die Übersetzung eine andere Rezeption aufdrängt. Wenn Sie Interesse daran haben, kann ich Ihnen einige dieser Stellen heraussuchen und versuchen, dem japanischen Original anzupassen.

Ich danke Ihnen für Ihre Antwort und die Ausführlichkeit, die Sie meinem Buch und auch mir in Ihren E-Mails haben zukommen lassen.

Hochachtungsvoll
Shiori Sora

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Shizuka Furukawa
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BeitragThema: Re: Shizukas Schlafzimmer   Mo Feb 27, 2017 8:57 pm

Nachdem sie eine ganze Weile geschrieben hatte, stand Shizuka auf, streckte sich und schnappte sich dann ihre Gitarre. Man hatte sie damals am Flughafen ziemlich wirr angeschaut, das kleine, zarte Mädchen bepackt mit großem Koffer, Gitarre und Kurzschwert. In Japan war sie nicht halb so wirr angeschaut worden wie bei ihrer Ankunft in den USA, wobei es doch ihr Heimatland war, das in anderen Kulturen als steif galt. Zärtlich strichen ihre Finger über die Seiten. Wenn man nicht verbal sprechen konnte, so wie es bei ihr der Fall war, und die Menschen meistens keine Gebärdensprache verstanden, musste man sich einen anderen Weg suchen, wie man gehört wurde. Der eine war das Schreiben für die kleine Hexe, der andere war die Musik. In Japan war es ganz und Gäbe, dass Kinder in der Schule Musikinstrumente lernten. Es gehörte einfach dazu. Shizuka mochte Tage wie diese. Sie waren vielleicht nach außen hin nicht sonderlich produktiv, aber sie selbst schöpfte Energie aus ihnen, die sich zum einen in reiner Kreativität äußerte, aber auch ihrem Wohlbefinden zuträglich war.

Allison hatte sie schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen und  sie hatte fast schon ein schlechtes Gewissen, da es immerhin die Wohnung der Hybridin war. Nachdem sie eine ganze Weile gespielt hatte, setzte sie sich doch noch mal an den Laptop und entdeckte eine neue Nachricht von Mr. Carrington. Der Briefwechsel mit dem Studenten machte ihr Spaß und war wirklich interessant.

Sehr geehrter Mr. Carrington,

das stimmt durchaus, aber manchmal denkt der Autor auch gar nicht derart tiefgründig darüber nach, wie er etwas schreibt, es passiert einfach. Leser wollen manchmal etwas in einen Satz hineininterpretieren, in dem es gar nichts hineinzudeuten gibt. Das macht es für den Autor manchmal auch lustig, wenn man durch Zufall auf so etwas stößt.

Sagen Sie mir einfach Bescheid, wenn Sie so weit sind. Die Reihenfolge können Sie gern selbst wählen. Allerdings muss ich mich dann auch in die englische Übersetzung einlesen. Ich muss zugeben, ich habe so etwas auch noch nicht gemacht, aber nachdem mir die Unterschiede bei der Übersetzung aufgefallen sind, erscheint es doch reizvoll. Vielleicht können Sie mir im Gegenzug Abweichungen der Übersetzung erklären, denn möglicherweise haben sie eine sinnvolle Begründung. Darüber würde ich mich sehr freuen.

Für mich ist es ebenso interessant, mich mit einem Leser darüber zu unterhalten, wie mein Buch interpretiert wird, eben auch weil man sonst als Autor selten die Chance auf eine direkte Reaktion und Gegenreaktion. Ich danke Ihnen für diese Möglichkeit.

Hochachtungsvoll
Shiori Sora


Shizuka schickte die E-Mail ab und blickte aus dem Fenster. Es war dunkel und nachdem sie den ganzen Tag in der Wohnung gewesen war, zog es sie nun nach draußen. Mit knielangem Pettycoat, hohen Stiefeln und Mäntelchen mit Schleifen bekleidet ging sie nach draußen. Das hüftlange Haar wurde vom Wind umspielt. Ein Lächeln lag auf ihren Lippen.

Tbc: Springbrunnen

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Shizuka Furukawa
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BeitragThema: Re: Shizukas Schlafzimmer   Mi Apr 12, 2017 9:36 pm

CF: Mystic Grill

Shizuka hatte regelrecht erschöpft geschlafen. Sie war nur ein Mensch und das sollte sie hin und wieder besser nicht vergessen. Sie brauchte Erholungsphasen und regelmäßigeres Essen würde ihr vermutlich auch ganz gut tun. Sie war Sportlerin, da durfte sie ihren Körper nicht vernachlässigen. Als sie am nächsten Tag aufwachte, war es draußen sogar schon ein bisschen hell. Es war diese Novemberdämmrigkeit, wo es nie richtig hell zu werden schien. Träge schlug sie die Augen auf und merkte zu ihrem Bedauern sogleich, dass ihr Hals leicht kratzte. Vielleicht war es in der Nacht doch kälter gewesen, als sie gedacht hatte. Gähnend streckte sie sich und krabbelte dann aus dem Bett. Unter der Dusche wurde sie endgültig munter und eine heiße Tasse Tee half auch mit dem kratzenden Hals.

Hatte sie in der Nacht noch dem Drang widerstanden, den Laptop anzuschalten und ihre Mails zu kontrollieren, so fand sie das jetzt eine ganz ausgezeichnete Idee. Schnell war der Rechner hochgefahren, ihr aktuelles Manuskript geöffnet und ihr Mailingprogramm angeklickt. Zu ihrer Freude war da tatsächlich eine Nachricht von Mr. Carrington. Schnell war die Mail geöffnet und ihre hellen grauen Augen huschten über die Zeilen. Er hatte tatsächlich das zweite Buch von ihr angefangen und diesmal gefiel ihr der englische Titel sogar, auch wenn er anders war als der Japanische. Sie merkte nicht, dass ein sanftes Lächeln auf ihren Lippen lag.

Sehr geehrter Mr. Carrington,
in so einer Situation empfehle ich das Bad in einer heißen Quelle.

Das stimmt sicherlich. Gerade ältere Werke sind schwerer zu interpretieren. Die Menschen von heute können niemals das empfinden, wie die Menschen vor hundert und mehr Jahren. Die Zeiten sind einfach andere. Vielleicht liegt aber auch darin der Reiz, sich in diese fremde Welt einzudenken. In der Schule habe auch ich Texte vergangener Epochen behandeln müssen. Tolstois „War ans Peace“ können japanische Teenager sicherlich hervorragend interpretieren.

Ich habe keine Wünsche, welches meiner Bücher sie als nächstes lesen. Sie können gern der Reihenfolge treu bleiben. Die Titelübersetzung gefällt mir, wenn auch es weniger eine Übersetzung wie eine Neubenennung ist. Tatsächlich muss ich zugeben, dass der japanische Titel schwer zu übersetzen ist und eine wörtliche Übersetzung der eigentlich Aussage nicht wirklich gerecht werden könnte. Vollständigkeitshalber möchte ich sie dennoch hier anfügen: „Sein des Wasser Seele der Toten“.

Ich freue mich, hoffentlich bald wieder von Ihnen lesen zu dürfen.

Hochachtungsvoll,
Shiori Sora


Schizuka schickte die Mail ab und tatsächlich freute sie sich über die nächste Antwort des Studenten.

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Shizuka Furukawa
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BeitragThema: Re: Shizukas Schlafzimmer   Fr Apr 21, 2017 9:14 pm

Draußen war es Tag geworden, obwohl sich die Sonne sich hinter dicken Wolken versteckte. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die ersten Schneeflocken fielen. Als Hexe hatte sie eine besondere Beziehung zur Natur, spürte Veränderungen. Der Wind flüsterte sie ihm zu. Ihr Vater fühlte sich besonders dem Wasser verbunden. Das Buch, das Nathaniel Carrington gerade las, erzählte zum teil Wahres, was ihr Vater erlebt hatte. Ihr Vater war es gewesen, der den Seegeist vertrieben hatte. Seine Magie erstreckte sich über Hexenmagie hinaus. Er hatte sie unterwiesen in Shintomagie, aber er war wesentlich besser darin. Ihr Vater war es gewesen, de den bösen Geist aus dem See vertrieben hatte, wobei vertrieben nicht das rechte Wort war, viel mehr hatte er dieser armen Seele ihren Frieden geschenkt. Sie hatte diese Geschichte schrieben müssen.

In Gedanken versunken merkte sie die E-Mail nicht sogleich, die sie von Nathaniel bekommen hatte. Shizuka lächelte unbewusst beim Lesen. Er hatte sich mit einer heißen Dusche behelfen müssen, da eine heiße Quelle nicht zur Verfügung gestanden hatte. Bei dem Lob, denn als solches waren seine Worte wohl eindeutig aufzufassen, wurde sie verlegen und ihre Wangen färbten sich leicht rot. Sie freute sich aber auch darüber. Wie sollte sie es auch nicht? Die kleine Hexe steckte viel Herzblut in ihre Bücher und wollte natürlich, dass sie anderen gefielen.

Sehr geehrter Mr. Carrington,
dann hoffe ich, die heiße Dusche hat ihren Zweck erfüllt.

Es ist nicht einfach, ja, oder ist es gar unmöglich? Ich vertrete die Meinung, dass niemand einen anderen je ganz verstehen kann. Jeder fühlt anders, ungeachtete der kulturellen Zugehörigkeit, Alter oder Geschlecht. Interessieren sie sich fü Musik, Mr. Carrington? Die europäische Instrumentalmusik, allgemein hin als Klassik bezeichnet, hat eine unzählige Zahl an Werken hervorgebracht. Oft ist genau festgeschrieben, wie diese Stücke gespielt werden müssen. Man kann aus einem piano nicht plötzlich ein forte machen. Dennoch klingt keines der Stücke zur Gänze gleich. Jeder Mensch gibt einen Teil von sich selbst in dieses Stück und macht es dadurch einzigartig. Hinzukommt, dass jeder Hörer etwas von sich in seine Interpretation legt und es dadurch für sich selbst wieder zu etwas Einzigartigem macht. Verhält es sich mit der Literatur nicht ebenso?

Sie sind wirklich schnell mit Lesen, ich bin beeindruckt. Es freut mich natürlich zu hören, dass es ihnen gefällt. Ich entschuldige mich, für meine Vermutung, aber ich hatte doch den Eindruck, in meinem ersten Buch gäbe es ein gewisses Widerstreben ihrerseits. So etwas sollte ich nicht sagen, entschuldigen Sie bitte.

Es gehört zur japanischen Mythologie dazu, dass die Geister der Toten auf Erden gebunden werden, wenn sie ihre wahre Bestimmung nicht gefunden haben, oder sie in ihrem Tod Emotionen sie binden. In Japan gibt es mehrere solcher Gewässer, denen man nachsagt, die Seele eines Toten lebte in ihnen. Es ist nichts Positives. Ein Mensch, der den eigenen Tod auf eine solche Weise vollzieht, zeigt kein ehrenvolles Verhalten, weswegen die Reinheit der Natur zwangsläufig unter der Bindung an diese Seele leidet. Eine menschliche Seele kann in Verzweiflung getrieben werden, aber Leid gilt es zu ertragen, es gibt keinen Ausweg, keinen leichten Weg. Ich bin mir recht sicher, Harakiri ist Ihnen ein Begriff. Ehrenselbstmord durch das Schwert, da die eigene Schande nicht tragbar ist für die Umwelt. Es geht dabei nicht um die Schade, die für einen selbst nicht mehr tragbar ist, sondern um die Auswirkung auf die Umwelt. Durch die Handlung des eigens herbeigeführten Todes zeigt sich die verblieben Ehre. Das macht den Unterschied zum Selbstmord meiner Protagonistin. Dennoch ist sie ein fühlendes Wesen. Ich bin mir ziemlich sicher, außerhalb Japans wird der Punkt des Selbstmords und dessen eigentliche Wertung gänzlich anders gesehen.

Ihre Schreie sind für ein mitfühlendes Wesen zu bemerken und der Lesen wird Mitleid haben, aber am Ende bleibt doch die Frage, welche eine negative Wirkung ihr Handeln hat. Ihre Seele schadet dem See und andere Menschen geraten durch das Wesen in Gefahr. Wie rechtfertigt man das? Weil man das eigene Leid nicht ertragen konnte? Weil man keinen anderen Weg mehr gesehen hat? Welches Recht nimmt man sich jedoch heraus, wenn man das Leid anderer mit seiner eigenen Schwäche rechtfertigt?

Ich bin gespannt, wie Ihnen der weitere Verlauf der Geschichte gefällt, und freue mich auf eine weitere Nachricht.

Hochachtungsvoll,
Shiori Sora


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Shizuka Furukawa
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BeitragThema: Re: Shizukas Schlafzimmer   Mo Aug 07, 2017 10:04 pm

Cf: McPhoto

Shizuka war von dem Fotoshooting erschöpfter, als sie erst gedacht hatte, dennoch ging sie nicht sogleich ins Bett, sondern schaute erst noch einmal in ihre Mails, in der Hoffnung, Nathaniel hätte ihr geschrieben, nun da in der Stadt der Strom und das Internet wieder ging. Tatsächlich fand sie eine Mail des Studenten in ihrem Postfach und unwillkürlich breitete sich ein Lächeln auf ihren Lippen aus. Bevor sie sie jedoch öffnete, schrieb sie noch schnell ihrem Verlag, dass Bilder sie in den nächsten Tagen die Bilder haben sollten und sich bis dahin noch gedulden müssten, da die Ihren in den USA einfach anders tickten als in Japan, was den Arbeitseifer und das Tempo betraf.

Sehr geehrter Mr. Carrington,

ich sehe unserem Treffen auch schon voller Freude entgegen. Das eigene Buch aus der Sicht eines anderen zu erfahren, war eine sehr intensive und auf diese Weise auch einzigartige Erfahrung für mich. Ich danke Ihnen dafür.

Das Café in Mystic Falls klingt nach einem perfekten Treffpunkt und morgen trifft sich ganz hervorragend. Ich freue mich. Gegen 15.00 Uhr?

Hochachtungsvoll,
Ihre Shiori Sora


Sie ergänzte ebenfalls noch ihre Handynummer und fragte sich im selben Moment, was sie machen sollte, wenn er versuchte, sie anzurufen. Sie würde es wohl klingeln lassen müssen, um ihm danach eine SMS zu schreiben.

Erwartungsvoll machte sie sich bettfertig, nur um am nächsten Morgen aufgeregt aufzuwachen. Bis zum Nachmittag hatte sie noch ein bisschen Zeit, sodass es sich noch nicht lohnte, sich für das Date fertig zu machen. Beim Schreiben konnte sie sich kaum konzentrieren und vor Aufregung bekam sie keinen Bissen runter, obwohl sie eigentlich hungrig sein sollte. Fast schon erleichtert stellte sie fest, dass sie nun, ohne sich komisch fühlen zu müssen, ins Bad konnte, um sich fertig zu machen. Ihre Haut und ihr langes Haar rochen nach Jasmin, Orchidee und Kirschblüten, als sie sich abtrocknete und in ein Handtuch gewickelt auf dem Boden saß, um sich ihr Haar mit einem weiteren Handtuch trocken zu rubbeln, nur um es dann zu kämmen. Früher hatte man sich in Japan das Haar so lange gekämmt, bis es trocken war, und auch Shizuka folgte dieser Tradition nun, wenn auch nur, um eine Ausrede zu haben, weswegen sie so früh begonnen hatte, sich für ein Date vorzubereiten.

Er dauerte, bis ihr Haar ihr in einem blauschwarzen Wasserfall bis zu ihrer Hüfte floss. Ihre Kleider hatte sie bereits herausgesucht: ein dunkelblauer fast schon schwarzer Faltenrock, eine ebenso farbige Bluse, auf die filigrane dunkelrote Rosen gestickt waren, eine Strumpfhose, auf der sich dieses Muster wiederholte, und ein Tuch, das ihren schmalen Hals betonte und zugleich die fehlende Oberweite kaschierte, da es ihr über die Brust fiel. Von ihrem Haar drehte sie ein paar Strähnen zu locken, die sie am Hinterkopf hochsteckte ihr eh schon milchweißes Gesicht schminkte sie nicht noch, jedoch wurden ihre Augen dunkel betont, sodass das helle Grau regelrecht zu leuchten schien. Die langen Wimpern warfen Schatten auf die weiße Haut, wenn das Licht richtig fiel. Ihr langer Mantel war verspielt, arbeitete mit Spitze und Schleifen, auch wenn er nur in Schwarz gehalten war. Ihre geschnürten Stiefel reichten ihr bis zum Knie, umschmeichelten ihre schmalen Waden.

Sich ihre Tasche schnappend machte sie sich mit klopfendem Herzen auf den Weg zum Café. Sie sah davor einen jungen Mann stehen, der auf jemanden zu warten schien. War das Nathaniel Carrington?

Tbc: Café

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